Deeskalationsmanagement

Sicherheit, Beziehung und Professionalität

An unserer Schule begegnen wir herausfordernden Situationen mit Verständnis, Klarheit und einem professionellen Konzept. Unser Ziel ist es, Konflikte zu entschärfen, Sicherheit zu geben und Beziehungen zu stärken.

Wir schaffen eine Schule, in der sich alle sicher fühlen und respektvoll miteinander umgehen.

Das Konzept auf einen Blick

Erlasse und Bezüge:

Unser Verständnis

Herausforderndes Verhalten hat Ursachen. Oft stehen Gefühle wie Überforderung, Angst oder Untsicherheit dahinter. Wir schauen hin und versuchen zu verstehen.

Erlasse und Bezüge:

Unsere Haltung

Beziehung vor Maßnahme, Sicherheit vor Konsequenz. Wir übernehmen Verantwortung, handeln ruhig und professionell - auch in schwierigen Situationen.

Erlasse und Bezüge:

Verbale Deeskalation

Durch wertschätzende Kommunikation und das Wahrnehmen von Gefühlen können wir Spannungen frühzeitig reduzieren und Eskalationen verhindern.

Erlasse und Bezüge:

Klare Grenzen

Grenzen geben Orientierung und Sicherheit. Wir setzen sie klar, respektvoll und situationsgerecht-manchmal auch zu einem späteren Zeitpunkt.

Erlasse und Bezüge:

Nachbereitung

Nach schwierigen Situationen nehmen wir uns Zeit für Reflexion, Klärung und den Wiederaufbau von Vertrauen. Denn: Deeskalation bedeutet nicht Konsequenzlosigkeit.

Erlasse und Bezüge:

Sicherheit für alle

In seltenen Fällen greifen wir auf speziell geschulte Schutztechniken zurück - ausschließlich zum Schutz aller Beteiligten.

Unser Ziel:

Wir schaffen eine Schule, in der sich alle sicher fühlen,
espektvoll miteinander umgehen und gemeinsam wachsen können.

Daher entwickeln wir unser Konzept ständig weiter – durch Fortbildungen, Trainings und den Austausch im Kollegium. So sichern wir Qualität und Handlungssicherheit.

PRODEMA KONZEPT

Konzept zur Umsetzung eines professionellen Deeskalationsmanagements

1. Ausgangslage und Grundannahmen

Schülerinnen und Schüler zeigen im schulischen Alltag immer wieder herausforderndes und grenzverletzendes Verhalten. Dieses Verhalten ist in der Regel nicht mit der Absicht verbunden, andere zu schädigen, und darf daher nicht vorschnell mit aggressivem Verhalten gleichgesetzt werden. 

Zentral für dieses Konzept ist das emotionspsychologische Verständnis, dass Wut eine Sekundäremotion darstellt. Ihr liegen häufig Primäremotionen wie Trauer, Überforderung, Angst, Einsamkeit, fehlende Autonomie oder Ohnmacht zugrunde. Diese Primäremotionen sind für Außenstehende nicht unmittelbar sichtbar, beeinflussen jedoch maßgeblich das Verhalten der Schülerinnen und Schüler. 

Ob eine Situation zu Wut oder Eskalation führt, hängt ausschließlich vom individuellen Bewertungsprozess des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen ab. Dieser Bewertungsprozess muss nicht mit dem der pädagogischen Fachkräfte übereinstimmen, um dennoch eine Solidarisierung mit den zugrundeliegenden Gefühlen zu ermöglichen. 

Ein hochangespannter Schüler oder eine hochangespannte Schülerin zeigt kein erhöhtes Schädigungsbedürfnis mehr, sobald vermittelt wird: 

„Ich verstehe, wie sich diese Situation für dich anfühlt – auch wenn ich sie selbst vielleicht anders bewerten würde.“ 

Die Auswertung der Gefährdungsanalyse macht zudem deutlich, dass „aggressive Verhaltensweisen“ an allen Orten und zu allen Zeiten gezeigt werden. Der Hauptteil des Kollegiums wünscht sich außerdem ein Trainingsprogramm, um mit diesem Verhalten von Schülerinnen und Schülern noch professioneller umgehen zu können. 

Haltung als Grundlage professioneller Deeskalation

Professionelles Deeskalationsmanagement basiert nicht primär auf Techniken, sondern auf einer pädagogischen Haltung: 

Erlasse und Bezüge:

Diese Haltung ermöglicht es Kolleginnen und Kollegen, auch in belastenden Situationen handlungsfähig zu bleiben und sich selbst zu schützen. 

Zielsetzung des Konzepts

Ziel des professionellen Deeskalationsmanagements ist: 

Das Konzept versteht sich als Ergänzung zu bereits individuell sozialisierten und erworbenen Deeskalationsstrategien. Es stellt ein verlässliches Werkzeug dar, das nachweislich deeskalativ wirkt – vorausgesetzt, die zugrunde liegende Haltung wird geteilt und gelebt. 

„Ich verstehe, wie sich diese Situation für dich anfühlt – auch wenn ich sie selbst vielleicht anders bewerten würde.“ 

Verbale Deeskalation als zentrales Instrument

Die verbale Deeskalation bildet den Kern des Konzepts. Ziel ist es: 

Elemente der verbalen Deeskalation sind unter anderem: 

Die verbale Deeskalation (Grundlagen) 

3 Sicherheitsaspekte 

Begleitelemente 

o offene Hände 

o aufstehen, falls ich sitze 

o mich im Raum zum Fluchtweg bewegen 

o keinen Blickkontakt erzwingen 

o seitlich stehen 

Die 4 Phasen der verbalen Deeskalation

Kontaktphase

• Ansprache (Name, Hey/Hallo, klatschen, auf den Tisch hauen etc.)
• Energieniveau anpassen und regulieren
• manchmal braucht es ein zweites oder drittes Mal

Beziehungphase

• wertfreie Verhaltensspiegelung (Sprache und Körper)
- 1:1 oder sinngemäß, vermutend, Wiederspiegelung von Gefühlen

Konkretisierungsphase

• fragen – spiegeln (im Sinne von wiederholen), fragen – spiegeln, fragen – spiegeln … Wortspeicher: Was genau…? Was gerade jetzt…? Was am meisten…? BENENNEN der Primäremotion und SOLIDARISIERUNG mit ihr

Lösungsphase

Lösungsanregungsfragen

Die verbale Deeskalation zeigt sich vielseitig einsetzbar. Neben der klassischen verbalen Deeskalation bei herausforderndem Verhalten, lassen sich mit der gleichen Technik und lediglich veränderter Kontaktphase ebenso zwei streitende Schülerinnen und Schüler sowie eine sich im Rückzug befindende Person „deeskalieren“ bzw. kann hiermit der gute Grund für das gezeigte Verhalten herausgefunden werden. Ebenso können einzelne Aspekte der Methode zielführend eingesetzt werden. 

Da man jeweils nur eine Person erfolgreich deeskalieren kann, ist eine Trennung zweier sich im Konflikt befindenden Personen unerlässlich. Hier scheint es sinnvoll sich bei der Kontaktaufnahme auf eine Person zu konzentrieren. Außerdem hilft es deutlich zu machen, dass man es nicht schafft mit beiden gleichzeitig zu sprechen. Daraufhin kann man nacheinander beide deeskalieren. 

Beim Rückzug ist es wichtig, die Kontaktaufnahme an die Situation anzupassen. Generell ist hier das Energieniveau deutlich niedriger. Oft ist es aber notwendig, über mehrere Wahrnehmungskanäle (insbes. zusätzlich visuell) Kontakt herzustellen. Beispiele: Licht an-/ausmachen, Hand am Gesicht vorbeiführen etc. 

Deeskalative Grenzsetzung als tägliches Instrument

Deeskalative Grenzsetzung verfolgt das Ziel, notwendige Grenzen klar und wirksam zu kommunizieren, ohne bestehende Spannungen weiter zu verschärfen. Sie bewegt sich bewusst im Spannungsfeld zwischen Beziehungsgestaltung und Regelklarheit. Im professionellen Deeskalationsmanagement gilt der Grundsatz, dass Grenzsetzung nicht als Machtausübung, sondern als orientierungsgebendes und schützendes Handeln verstanden wird – für alle Beteiligten. 

Dabei hat Deeskalation stets Vorrang vor der unmittelbaren Durchsetzung einer Grenze, wenn erkennbar ist, dass eine Grenzsetzung zu einer Eskalation führen würde. Dieses Vorgehen folgt dem Leitsatz: Aufgeschoben heißt nicht aufgehoben. 

Die dreiteilige deeskalative Grenzsetzung

Die verbale Grenzsetzung erfolgt idealerweise in einer klar strukturierten, dreiteiligen Nachricht. Diese Struktur ermöglicht Transparenz, reduziert Missverständnisse und unterstützt die Beziehungsebene. 

Sachinhalt

Der Sachinhalt beschreibt beobachtbares Verhalten oder eine konkrete Situation wertfrei und ohne Interpretation. Ziel ist es, Klarheit zu schaffen, ohne zu bewerten oder zu moralisieren. Beispiel: „Pascal ich höre deine Musik durch deine Kopfhörer.“ 

Selbstoffenbarung

In der Selbstoffenbarung wird die eigene Wahrnehmung oder innere Reaktion benannt. Dies schafft Beziehung, Authentizität und reduziert Konfrontation. Beispiel: „Das macht es für mich gerade schwierig, meinen Unterricht in Ruhe weiterzumachen. Ich fühle mich echt gestört“ 

Appell

Der Appell formuliert eine konkrete, realistische und überprüfbare Erwartung oder Bitte. Er bleibt respektvoll und lösungsorientiert. Beispiel: „Ich bitte dich deine Musik jetzt leiser zu machen.“ 

Diese Form der Grenzsetzung unterstützt Deeskalation, da sie Orientierung gibt, ohne Druck oder Drohungen aufzubauen. 

Verzögerte Grenzsetzung bei Eskalationsgefahr oder Verweigerung 

In Situationen, in denen eine Grenzsetzung trotz deeskalativer Kommunikation eine erkennbare Eskalation auslöst oder zu erwarten ist, wird bewusst auf eine unmittelbare Durchsetzung verzichtet. Ziel ist es, die Situation zunächst zu beruhigen und eine weitere Eskalation zu verhindern. Eine verzögerte Grenzsetzung bedeutet nicht, dass Regeln oder Grenzen aufgegeben werden. Vielmehr wird die Grenzsetzung zeitlich verschoben, um die Deeskalation zu priorisieren. Fachkräfte handeln hierbei bewusst situativ und reflektiert. 

Wesentliche Kriterien für eine verzögerte Grenzsetzung sind:

  • • steigende emotionale Erregung der beteiligten Person 
  • • sinkende Gesprächsfähigkeit 
  • • erhöhte Gefahr von verbaler oder körperlicher Eskalation  

In diesen Momenten steht die Stabilisierung der Situation im Vordergrund. 

Nachkrisenkontakt: Grenzsetzung und Konsequenzen

Nach Abklingen der akuten Krise erfolgt ein gezielter Nachkrisenkontakt. Dieser ist fester Bestandteil professionellen Deeskalationsmanagements und dient der nachhaltigen Bearbeitung des Geschehens. 

Im Nachkrisenkontakt kommt es erneut zu einer Form der verbalen Deeskalation. Ziel ist es: 

• das Geschehen gemeinsam zu reflektieren 

• Verständnis für Regeln und Grenzen herzustellen 

• Verantwortung zu klären 

• Vertrauen wieder aufzubauen 

Hier kann erneut, die Struktur der verbalen Deeskalation zum Einsatz kommen. Nun werden die zuvor aufgeschobenen Grenzen benannt und – falls notwendig – nachvollziehbare Konsequenzen thematisiert. 

Der Nachkrisenkontakt macht deutlich: Deeskalation bedeutet nicht Folgenlosigkeit. Grenzen gelten weiterhin und werden verbindlich vertreten – jedoch zum passenden Zeitpunkt und in einem angemessenen Rahmen. 

Haltung und Professionalität

Die deeskalative Grenzsetzung erfordert eine klare professionelle Haltung. Fachkräfte agieren ruhig, wertschätzend und konsequent zugleich. Sie sind sich bewusst, dass ihr Verhalten maßgeblich zur Eskalations- oder Deeskalationsdynamik beiträgt. 

Professionelles Deeskalationsmanagement verbindet daher: 

• situative Flexibilität 

• klare Werte und Regeln 

• zeitlich angemessene Grenzsetzung 

• konsequente Nachbereitung 

So entsteht ein handlungsfähiges, nachhaltiges und beziehungsorientiertes Vorgehen im Umgang mit herausfordernden Situationen. 

ALFIs als ergänzendes Sicherheitsinstrument

Als zusätzliches Hilfsmittel stehen die ALFIs zur Verfügung: 

  • Abwehrtechniken 
  • Loslösetechniken 
  • Fluchttechniken 
  • Immobilisationstechniken 

Diese Techniken kommen ausschließlich dann zum Einsatz, wenn: 

  • verbale Deeskalation nicht erfolgreich ist und 
  • eine akute Gefahr für den Schüler, die Schülerin oder andere Personen besteht. 

ALFIS dienen nicht der Sanktionierung, sondern ausschließlich des Schutzes und der Gefahrenabwehr. 

Nachkrisenkontakt

Die Deeskalationsstufe VII beinhaltet zunächst die kollegiale Ersthilfe. Für einen gesunderhaltenden oder Gesundheit herstellenden Prozess ist es in manchen Fällen notwendig, die Ersthilfe in eine Nachsorge zu überführen. In Zukunft soll ein Nachsorgekonzept diese Aufgabe erfüllen. Ziel der Konzeption ist die Abstimmung der Aufgaben im Bereich der kollegialen Ersthilfe und der professionellen Nachberatung zwischen Deeskalationsbeauftragten und der schulpsychologischen Beratungsstelle sowie ggfs. die Überleitung an externe Angebote. Dazu ist eine Zeitschiene zu entwickeln 

Organisatorische Implementierung

Die nachhaltige Umsetzung des professionellen Deeskalationsmanagements erfolgt strukturiert und kontinuierlich: 

Schulinterne Lehrerfortbildungen

Vertiefung der verbalen Deeskalation

Regelmäßiges ALFI-Training

Nachhaltigkeit und Qualitätssicherung

Fazit

Professionelles Deeskalationsmanagement bedeutet, Konflikte nicht zu vermeiden, sondern ihnen mit Kompetenz, Haltung und Sicherheit zu begegnen. Durch die Kombination aus verbaler Deeskalation, klarer Haltung und gezieltem Einsatz von ALFIs entsteht ein schulisches Umfeld, das sowohl Schutz als auch Beziehung gewährleistet – für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für das Kollegium. 

Stand September 2026

Über die Konzeption

 Bezeichnung der Ausbildung: Jugend 2025-09 Hamm 

Vor- nach Nachnamen 

der Teilnehmenden: Marie Hubbeling 

Sandra Schley 

Ann-Christin Sengenhorst 

Anneliese Völkering 

Angaben zur Einrichtung: 

Fachbereich: Kinder und Jugendliche 

Betreuungsform: Förderschule (LE/EsE/SQ) 

Name der Einrichtung:
St. Felicitas-Schule 

Adresse:
Am Berkelsee 2 
48691 Vreden 

Unfallversicherungsträger*in: Bundesland: NRW